Die Umstellung auf Barhuf

Es gibt immer noch viele Pferde, die mindestens an den Vorderhufen, oftmals auch an den Hinterhufen, beschlagen sind. Entscheidet sich der Pferdebesitzer dann für eine Umstellung auf Barhuf, spielen für das Gelingen viele Faktoren eine Rolle.

Der Barhuf viele Vorteile, wie z.B.:

» Aufrechthaltung der natürlichen Funktionen des Hufs à Der Huf des Pferdes bietet durch seine Keilform Griff auf jedem Boden, da sich beim Auftreten die Keilform spreizt und bremst. Auch die Eckstreben bremsen ihrer Anordnung an der Hufunterseite wegen. Auf ebenen Böden hat der Huf durch das Sohlengewölbe einen saugglockenartigen Effekt. Barhufe schützen auch vor thermischen Einflüssen durch die Isolationseigenschaften des Horns und der Eigenerwärmung beim Laufen. Mechanische Einflüsse werden durch den Tastsinn und die dicke Sohle (min. 1cm) gemildert. Die Hufe dienen auch noch als Pumpe und werden auch "die 4 Herzen" genannt. Sie sind besonders wichtig, da sich unterhalb der Fußwurzelgelenke keine Muskulatur mehr am Pferdebein befindet. Außer Blut werden auch Lymphflüssigkeit und die Flüssigkeiten aus den Sehnenscheiden bewegt.

» Wichtiger Teil der Stoßdämpfung à Der Barhuf übernimmt einen wichtigen Teil der Stoßdämpfung. Durch die Spreizung der Kapsel, der elastischen Hufbeinaufhängung, der Eigenelastizität der Hornwände und natürlich durch einen dicken Strahl mit seiner gummiartigen Konsistenz. Des Weiteren hält die bogenfederförmige Anordnung der Zehenknochen einen großen Teil der Erschütterungen ein. Knochen und Gelenke und zu guter letzt die elastische Aufhängung des Brustkorbes profitieren von diesen Eigenschaften der unteren Gliedmaßen und werden weniger strapaziert.

» Förderung gesunder, kräftiger Hufe à Die Hufe werden durch die Anforderungen beim Barhuflaufen immer stabiler, die Wände werden dicker und gerader, der Huf wird gesünder. Die Sohle wird ebenfalls dicker und entwickelt ein natürliches und dem Untergrund angepasstes Gewölbe.

» Verringerte Verletzungsgefahr à z.B. in der Herde, aber auch für das Pferd selbst, da der gesunde Huf deutlich griffiger auf unterschiedlichsten Böden ist als ein Eisenbeschlagener, das Pferd also weniger rutscht und stolpert. Außerdem hinterlassen unbeschlagene Hufe weniger Spuren auf Wegen.

» Warum die Eisenabnahme ? Die meisten Pferdebesitzer entscheiden sich erst für einen Barhufversuch, wenn es fast zu spät ist und das Pferd bereits große Probleme in Form von Lahmheiten oder untragbaren Hufzuständen hat. Der Beschlag dient grundsätzlich nur als Schutz gegen zuviel Abrieb und wird aus eben diesem Grund von den meisten Pferden gar nicht benötigt. Lediglich für abriebintensive Nutzung wie Distanzritte und Kutschfahrten ist ein Abriebschutz sinnvoll, hier kann aber auch auf die Alternative Hufschuh zurückgegriffen werden.

Korrektur am Huf ist mit einem Beschlag nicht möglich, die Hufsituation lässt sich nur am Barhuf verändern und verbessern. Der Barhufbearbeiter nutzt bei seiner Bearbeitung neben den Faktoren Abrieb und Bodengegendruck die Selbstheilungskräfte, diese lassen sich aber unter dem Eisen nicht steuern.

Unter dem Beschlag werden die meisten Hufe trachtenlastig, da unter dem Eisen nur im Trachtenbereich scheinbar Abrieb stattfindet, in Wirklichkeit aber nur untergeschoben und weggedrückt werden, während der Rest des Hufes in die Höhe wächst. So wird der Huf mit der Zeit immer flacher, die Zehe immer länger. Die Hornqualität nimmt unter dem Beschlag ab, die Entstehung von Hufgeschwüren und Abszessen wird begünstigt. Durch das starre Eisen wird die Hufmechanik weitgehend ausgeschaltet, der Huf kann sich nicht mehr verformen, sich somit nicht an den Untergrund anpassen und die Stöße während der Bewegung nicht mehr abfangen - diese gehen also ungehindert nach oben in die Gelenke. Außerdem wird durch die weitgehende Ausschaltung der Hufmechanik die Durchblutung des Hufes und der unteren Gliedmaßenstark herabgesetzt. Die negativen Folgen sind vielfältig und betreffen neben den Gliedmaßen den gesamten Organismus.

» Wer nimmt die Eisen ab ? Es empfiehlt sich, die Eisenabnahme durch den Barhufbearbeiter durchführen zu lassen, der das Pferd auch weiterhin behandelt. Er wird die Eisen möglichst materialschonend entfernen und die Erstbearbeitung im Hinblick auf die weitere Behandlung vornehmen. Diese sollte behutsam erfolgen, insbesondere bei Pferden, die schon sehr lange und dauerhaft mit Hufeisen leben.

» Wiewird am Huf gearbeitet ? Der Barhufbearbeiter wird bei der ersten Behandlung dafür sorgen, dem Pferd die Umstellung so angenehm wie möglich zu machen. In Einzelfällen empfiehlt es sich nach der Eisenabnahme den Huf gar nicht weiter zu bearbeiten, damit sich das Pferd zunächst an die neue Hufsituation gewöhnen kann. Hier sind dann relativ kurze Behandlungsabstände sinnvoll (ca. 2-3 Wochen). Bei der normalen Erstbehandlung werden Wandüberstände abgerundet, um dem Pferd durch Hebelkräfte verursachte Schmerzen zu nehmen. Die genauen Abstände werden vom Barhufbearbeiter individuell von Termin zu Termin festgelegt. Besonders schonend ist eine Barhufumstellung, wenn begleitend zur Eisenabnahme Hufschuhe mit dämpfenden Einlagen angepasst werden. Hier empfehlen sich Easyboots oder Renegades, da sie keinerlei Scheuerpotential haben und notfalls auch auf dem Auslauf am Huf bleiben können.

» Wie reagieren die Hufe ? Grundsätzlich kann man hierzu keine allgemeingültige Prognose abgeben, selbst am konkreten Fall ist es schwierig, die Lage einzuschätzen; jedoch kann in der Praxis beobachtet werden, dass Pferde mit eher steilen Wänden und guter Sohlenwölbung oft problemlos umgestellt werden können, während Pferde mit flachen Wänden und sehr flacher Sohle gerne mit deutlicher Fühligkeit und auch Lahmheit reagieren. Hier hilft neben homöopathischen Erstmaßnahmen und kühlen ein minimal dosiertes Schmerzmittel um dem Patienten den ärgsten Schmerz zu nehmen.

Eine Fühligkeit auf steinigen Böden ist bei der Umstellung normal, denn durch die Eisenabnahme und die wieder einsetzende Hufmechanik spürt das Pferd den Boden unter den Füßen endlich wieder, daher werden Steine und Schotter als unangenehm empfunden. Grundsätzlich ist ein Pferd, das auf steinigem Boden vorsichtig läuft, zu beglückwünschen, denn im Gegensatz zu seinen beschlagenen Artgenossen schont es seine Gliedmaßen und läuft nicht rigoros über Stock und Stein, wodurch Gelenke und Sehnen auf Dauer geschädigt werden können. Ob das Pferd die Umstellung gut verkraftet und relativ problemlos weiterläuft, hängt von der Hufbearbeitung und den Haltungsbedingungen, aber auch in großem Maße von der Mitarbeit des Pferdebesitzers ab.

Unter dem Eisenbeschlag ist die Hornqualität schlecht geworden, das Horn ist meist weich und bröselig, da ihm die Reize des Bodens fehlen. Ein Barhuf produziert qualitativ hochwertiges Horn, weil durch die Reize verschiedener Böden die Hornproduktion angeregt wird und entsprechend hartes Horn entsteht. Unter dem Eisen fehlen diese Reize, deshalb wird hier auf Dauer die Hornqualität zunehmend schlechter, was sich nach der Umstellung auf Barhuf aber mit der Zeit wieder bessert. Die meisten Hufe brechen an den Nagellöchern aus; die Intensität der Ausbrüche hängt auch von der Hufsituation ab, schräge Wandanteile werden heftiger ausbrechen als relativ steile Wände. Oft ist nach kurzer Zeit der komplette Tragrand weggebrochen, nun müssen Sohle und Strahl verstärkt Tragefunktion übernehmen. Unter der konventionellen Hufbearbeitung und zum zubereiten des Hufes zum Beschlag, werden die Hufe und damit die Sohle stark ausgeschnitten. Da Sohlenhorn langsamer wächst als das Wandhorn wird es kontinuierlich dünner. Das kann schon bei beschlagenen Hufen zu einer Reizung der Sohlenlederhaut führen, dass sie mit einer Entzündung reagiert. Der frische Barhuf hat mit dieser instabilen Sohle dem Pferdegewicht kaum etwas entgegenzuhalten. Diese Situation bessert sich zunehmend mit dem dicker werden der Sohle. Eine gesunde Sohle ist min. 1cm dick, dünne Sohlen oftmals nur 5mm!

» Was kann der Pferdebesitzer tun ? Zunächst einmal sollte sich jeder Pferdebesitzer, der an eine Eisenabnahme denkt, im Klaren darüber sein, dass sich sein Pferd während der Umstellungsphase in der Rehabilitation befindet.

Das bedeutet, dass viel Rücksicht auf das Pferd genommen werden muss und persönliche Bedürfnisse wie das Reiten hintangestellt werden sollten. Anfangs sollte das Pferd komplett aus der Nutzung genommen werden, um erst einmal beobachten zu können, wie gut die Umstellung verkraftet wird. Steinige Böden sind vorerst zu meiden. Bei Spaziergängen oder auch eventuellen angepassten Ausritten sollten Hufschuhe zum Einsatz kommen. Ansonsten ist es hilfreich, wenn das Pferd sich frei, z.B. auf der Koppel, bewegen kann, ohne dabei von ranghöheren Artgenossen gescheucht und zum Laufen gezwungen zu werden.

Der Pferdebesitzer muss in jedem Fall Geduld mitbringen, denn wenn das Pferd zu früh wieder in die Nutzung genommen wird, wird dadurch meist das Gelingen der Umstellung verhindert oder verzögert. Jeder sollte sich vorher gut überlegen, ob er womöglich nicht auf das Reiten verzichten will und sich deshalb lieber damit abfindet, dass die Hufe seines Pferdes ggf. in einer schlechten Situation bleiben, oder ob er einige Wochen zugunsten des Pferdes das eigene Vergnügen zurückstellt. Natürlich sieht kein Pferdeliebhaber sein Tier gerne fühlig umherlaufen, aber diese Phase ist von absehbarer Dauer und mit anschließender Gesundung der Hufe verbunden, wohingegen ein scheinbar freudiges Laufen mit Eisenbeschlag nur allzu oft in einer nicht enden wollenden Odyssee der Lahmheiten resultiert.
Druckversion Druckversion | Sitemap
Wir trauen unseren Pferden mit ihren Hufen einfach immer noch viel zu wenig zu..!